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Nach [SpKr-97] erfüllen physische Modelle im Designprozess im wesentlichen drei Funktionen:

  1. sie ermöglichen realitätsnahe Designstudien,
  2. sind Präsentationsobjekte und
  3. bilden die Basis für die Generierung von 3D-Daten, die zur Konstruktion und Produktion des Fahrzeugs benötigt werden.

Mit der Tonmodellierung kann angefangen werden, sobald das Tape-Drawing hinsichtlich Form, Proportion und Realisierbarkeit zufriedenstellend abgeschlossen ist [BrSe-03]. Das Tonmodell (Bild) ist das wichtigste Instrument im Design, um einen realistischen Eindruck von einem Entwurf zu vermitteln. Erst durch eine räumliche Darstellung, möglichst in Originalgröße, lassen sich formale Parameter wie Ausmaße, Größenverhältnisse oder auch plastisch ausgearbeitete Details endgültig beurteilen. [SpKr-97] Bei der Tonmodellierung werden physische Modelle aus dem Werkstoff Ton1 (Plastilin), manchmal aber auch aus Polyurethan-Harz oder Gips gefertigt. Hierbei wird auf ein Grundgestell aus Metall, Holz und Hartschaum eine etwa 5-10 cm starke Tonschicht aufgetragen, die von Modelleuren unter Zuhilfenahme von Schabern, Messern, Kurvenlinealen und Spachteln in Abstimmung mit dem Designer bearbeitet wird. [Gess-01]

Gleichzeitig mit dem Exterieur-Modell fängt man auch mit dem Bau der Sitzkiste2 an, um erste Eindrücke vom Interieur zu bekommen. Zum Beispiel vom Ein- und Ausstieg, der Sitzposition oder der Aussicht durch die Windschutzscheibe. Ergebnisse aus den Ergonomietests in der Sitzkiste können zu Änderungen sowohl des Tape-Drawings, als auch zwangsläufig im Tonmodell führen. Damit für Designer, Ingenieure und Modelleure immer eine aktuelle technische Darstellung des Modellstands zur Verfügung steht, ist es wichtig, dass notwendige oder gewünschte Änderungen im Tonmodell stets ins Tape-Drawing zurückfließen. [BrSe-03]

Die Modelleure transferieren zuerst die Maße der Hauptkonstruktionslinien vom Tape in den riesigen Tonklumpen, und modellieren dazwischen die Flächen. Nach und nach erscheinen Haube, Dach, Windschutzscheibe und Türen, bis ein komplettes Auto entsteht. Nun wird das Tonmodell kritisch begutachtet, wodurch neue Erkenntnisse gewonnen werden: Das Dach ist zu rund, die Scheiben sind zu flach, das Ganze wirkt zu schwer, .... Daraufhin kommen die Tape-Rollen wieder zum Einsatz, neue Linien werden gesucht, neue Proportionen überlegt. [BrSe-03]

Bild: Maßstäbliche Tonmodelle in der Fahrzeugentwicklung der Daimler Chrysler AG [GaEK-01]

1 Ton: Wasserhaltiges Aluminiumsilikat. Ein im feuchten Zustand schweres, plastisches Material, das beim Trocknen "fest" wird und durch Temperatureinwirkung in ein hartes, wasserdichtes Material verwandelt werden kann. [HaHa-90]

2 Die Sitzkiste ist ein Innenraummodell mit dem Untersuchungen bezüglich der sinnvollen Positionierung von Bedienelementen, der Sicherstellung von Einbauräumen sowie der Sichtbarkeit und Erreichbarkeit von Anzeige und Bedienelementen durchgeführt werden. In einer Sitzkiste befinden sich für die Ergonomie wesentliche Innenraumkomponenten wie Sitze, Pedalerie, Schaltung, Handbremse, Lenkrad, improvisierte Instrumententafel mit Schaltereinbauplätzen, Mittelkonsole und Türverkleidung. [Hemp-01]

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