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Das letztendliche Auswählen von Produktideen kann nach Bewertungs- und Auswahlmethoden analog zur Auswahl von konstruktiven Varianten erfolgen. Für eine Grobauswahl sind zunächst die Unternehmensziele, zumindest jedoch ein hoher Umsatz, hoher Marktanteil sowie funktionelle Vorteile für den Anwender als Kriterien ausreichend. Für eine feinere Betrachtung können dann die übrigen Kriterien herangezogen werden, wobei eine binäre Wertung (ja/nein) die Anwendung der Auswahlverfahren erleichtert. Die ausgewählten Produktideen müssen nun präzisiert, d.h. als konkretes Produkt definiert werden. Bei der Konkretisierung sollten Verkaufs-, Marketing-, Entwicklungs- und Konstruktionsabteilungen eng zusammenarbeiten, z. B. beim Auswählen von Produktideen und Bewerten definierter Produkte. Die konkreten definierten Produkte werden nun einer Bewertung nach bestimmten Kriterien unterzogen soweit diese bereits verfügbar sind. Wirtschaftliche Aspekte wie Investitionsbedarf oder Beschaffungsprobleme sind zunächst schwer abschätzbar, da sie meist lösungsabhängig sind. Für die am höchsten bewerteten Produktideen werden Produktvorschläge erarbeitet. Diese Produktvorschläge dienen als Aufgabenstellungen für die Produktentwicklung. Sie sollten:

  • Eine Beschreibung des Zweckes voranstellen
  • eine vorläufige Forderungsliste beinhalten
  • alle Anforderungen lösungsneutral formulieren und
  • ein Kostenziel oder Kostenrahmen für das zu entwickelnde Produkt setzen
Tabelle: Entscheidungskriterien bei der Produktplanung Quelle: [Pah03]
Kriterien Gewichtung

Unternehmensziele:

  • Ausreichender Deckungsbeitrag
  • Hoher Umsatz
  • Hohe Marktzuwachsrate
  • Hoher Marktanteil (Marktführer)
  • Kurzfristige Marktchance
  • Gro6e Funktionsvorteile für Anwender und ausgezeichnete Qualität
  • Differenzierung zum Wettbewerb
> 50 %

Unternehmensstärken:

  • Hohes Know-how
  • Gute Sortimentsergänzung und/oder Programmerweiterung (Diversifikation)
  • Starke Marketingposition
  • Geringer Investitionsbedarf
  • Geringe Beschaffungsprobleme
  • Günstige Rationalisierungsmög-lichkeiten
> 30 %

Umfeld:

  • Geringe Substitutionsgefahr
  • Schwacher Wettbewerb
  • Günstiger Patentstatus
  • Geringe allgemeine Restriktionen
> 20 %

Der Zweck beschreibt, was mit dem zu entwickelnden Produkt erreicht werden soll. Die Zweckbeschreibung soll jedoch frei von Lösungsvorstellungen sein. Von daher ist es günstig, wenn diese nur Aussagen zum gewünschten Ergebnis macht und nicht, wie dieses erreicht werden sollen. So impliziert beispielsweise die Zweckbeschreibung "Rasenmäher" schon, dass der Rasen geschnitten werden soll. Der eigentliche Zweck, das Kurzhalten von Rasen, kann aber auch durch chemische, biologische oder gentechnische Lösungen erreicht werden.  Werden die Bedingungen, unter denen das zu entwerfende Produkt eingesetzt werden soll, außer Acht gelassen, sind Fehlentwicklungen die Folge. Diese Einsatzbedingungen müssen als technische Forderungen formuliert werden. Es ist günstig, diese in einer vorläufigen Forderungsliste in der in Kapitel 2.4.6 beschriebenen Form festzuhalten. Diese Forderungen schränken die Lösungsmenge ein. Es ist darauf zu achten, dass die Anzahl der Lösungen nicht durch zu viele Forderungen zu sehr begrenzt wird. So schließt beim Rasenmäher die Forderung nach einem Elektroantrieb alle anderen Antriebsformen, z. B. Verbrennungsmotoren oder Muskelkraft aus.  Letztlich ist auch der Kostenrahmen abzustecken. Dies betrifft sowohl die Entwicklungs- und Herstellungskosten als auch Lagerhaltungs-, Vertriebs-, Betriebs-, Wartungs- und Entsorgungskosten [Pah97], [Kol94].

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