Vertiefende C-Techniken > Virtuelle Produktentwicklung > Systeme und Verfahren in der virtuellen Produktentwicklung > Virtuelle Prototypen > Das Arbeiten mit dem DMU – Digital Mock-Up  

Im Rahmen des DMU-Prozesses werden die Arbeitsergebnisse mehrerer Personen zusammengeführt. Im Gegensatz zur Bauteilkonstruktion, für die im Regelfall ein einzelner Konstrukteur oder ein kleines Team verantwortlich ist, werden bei Untersuchungen am digitalen Mock-Up individuelle Arbeitsergebnisse in einem Gesamtkontext betrachtet. Neben den technischen Voraussetzungen ist für erfolgreiche DMU-Analysen daher das effiziente Zusammenspiel verschiedener Teams beziehungsweise verschiedener Verantwortungsbereiche von entscheidender Bedeutung. Somit ist effektive Gestaltung der Prozesse in diesem Kontext wichtig. DMU-Untersuchungen werden meist in Form von Gruppenbesprechungen durchgeführt. Für diese Art von Besprechungen wird vielfach der Begriff "Design Review Meeting" verwendet. Basis dieser Besprechungen ist die 3D-Visualisierung der zu diskutierenden Bauteile und Baugruppen. Daher ist vor einer Besprechung das zu behandelnde Modell aus dem 3D-CAD-Modell abzuleiten. In der Regel werden die DMU-Daten nur temporär gehalten, nach der Durchführung der DMU-Untersuchungen und der sich daraus ergebenden Änderungen werden die Daten meist wieder überschrieben. Für die nächste Untersuchung werden neue DMU-Daten aus dem geänderten 3D-CAD-Modell generiert. [GaEK-01]

Die Praxis regelmäßiger Design Review Meetings zeigt, dass allein durch die 3D-Visulaisierung und die gemeinsame Diskussion eine Vielzahl von Problemstellen entdeckt und Verbesserungsmöglichkeiten aufgedeckt werden. Kollisionsprüfungen können auch im Vorfeld der Visualisierung im sogenannten Stapelbetrieb (Batch-Mode) durchgeführt werden. Als Ergebnis der Kollisionsprüfungen werden Kollisionsstellen im Rahmen der 3D-Visualisierung optisch hervorgehoben, zum Beispiel durch Einfärben der betroffenen Bauteile. Weitere Werkzeuge für DMU-Untersuchungen sind dynamische Schnitte, die im Zuge der 3D-Visualisierung interaktiv durch den zu prüfenden Bauraum gelegt werden. So können kritische Stellen identifiziert werden. Unterstützt werden derartige Arbeiten durch digitale Messwerkzeuge, die es erlauben, während der Visualisierung den Abstand zwischen zwei Bauteilen zu messen. Voraussetzung hierfür ist, dass jedes Bauteil während der Sitzung eindeutig identifizierbar ist. Die Visualisierungssysteme ermöglichen durch Anklicken einzelner Bauteile, entsprechende zu diesem Bauteil gespeicherte Informationen anzuzeigen. Im Idealfall werden direkt die vom PDM-System verwalteten Daten angezeigt. Dazu ist natürlich eine entsprechende Schnittstelle zum PDM-System erforderlich. Ferner kann das Arbeiten mit DMUs durch Virtual Reality weiter verbessert werden, hierauf wird in Kapitel Virtuelle Realität in der Produktentwicklung näher eingegangen. [GaEK-01]

Ein Entwickler, der mit einem digitalen Mock-Up arbeitet, will sicherstellen, dass seine Bauteile beziehungsweise Baugruppen nicht mit denen anderer Entwickler kollidieren. Um dies zu erreichen, sind allerdings einige Schwierigkeiten zu überwinden: [GaEK-01]

  • Selbst moderne 3D-Systeme sind nicht in der Lage, mehrere komplexe Baugruppen gleichzeitig zu laden. Das Datenvolumen wird aufgrund der komplexen Datenstrukturen von Volumenmodellen so groß, dass die Systemantwortzeiten unvertretbar lang werden beziehungsweise der verfügbare Hauptspeicher auch eines großzügig ausgerüsteten Arbeitsplatzrechners nicht ausreicht. [GaEK-01]
  • Es gibt vielerorts das Problem, dass dem Entwickler gar nicht bekannt ist, welche Baugruppen zu seiner benachbart sind. Selbst wenn die Nachbarn bekannt sind, ist es häufig nicht möglich, diese Daten zu laden, da sie nicht ohne weiteres verfügbar sind. [GaEK-01]
  • Wie bereits erwähnt, muss jedes Bauteil eindeutig identifizierbar und über eine zentrale Datenverwaltung verfügbar sein. Dies kann nur erreicht werden, wenn das Produkt mit seiner Baustruktur in einer Datenbank abgebildet wird. Es müssen verschiedene Sichten auf diese Struktur möglich sein wie beispielsweise eine Funktionsgruppensicht (alle Bauteile einer Funktionsgruppe, zum Beispiel Antriebsstrang) oder alle Bauteile eines Bauraums (zum Beispiel Vorderwagen). Diese Aufgaben werden von Systemen zum Produktdatenmanagement (PDM) übernommen. PDM-Systeme werden in Modul PDM-Systeme näher beschrieben. Ohne PDM ist ein digitaler Mock-Up nicht möglich. [GaEK-01]
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